Bohrer, Fraeser

Gewerbepark Schwelmer Straße: Fakten statt Gerüchte

Die Diskussion um die Einrichtung eines Gewerbegebietes entlang der A1 in Volmarstein tobt nun seit fast zehn Jahren. Leider wird die Diskussion immer emotionaler geführt, Fakten spielen kaum mehr eine Rolle. Wenn doch einmal Daten und Zahlen genannt werden, dann sind diese meist weder durch Fakten und Quellenangaben untermauert noch durch Expertenwissen gestützt. Das soll hier in Auszügen nachgeholt werden.


Behauptung
Auf neuen Gewerbeflächen entstehen keine neuen Arbeitsplätze.

Fakt
Trotz des teils massiven Rückgangs von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe in den jüngsten knapp 20 Jahren wurden in Wetter ca. 1.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse (SVB) neu geschaffen. Lag die Anzahl der SVB in Wetter 1999 noch bei 10.281, so sind es im Jahr 2014 bereits bei 11.128, was einer Steigerung von gut acht Prozent entspricht.

Quelle
Kommunalprofil Wetter (Ruhr), erstellt durch IT.NRW (früher: Landesamt für Statistik NRW)


Behauptung
Durch immer stärker automatisierte Produktionsstätten wird immer mehr Fläche pro Arbeitsplatz benötigt.

Fakt
Bei neuen Gewerbeansiedlungen wird weniger Fläche pro SVB benötigt als bei älteren Betrieben. Die sogenannte Flächenkennziffer, die beschreibt, wie viel Quadratmeter Gewerbefläche pro SVB nötig sind, beträgt im Gesamt-Bestand der Metropole Ruhr im Jahr 2014 321 m² pro SVB. Betrachtet man aber nur die Ansiedlungen zwischen 2005 und 2013, so sinkt die Flächenkennziffer auf 250 m² pro SVB. Moderne Betriebe sind flächenschonender als der Durchschnitt.

Quelle
Marktbericht III Gewerbliches Flächenmanagement Ruhr 2014 der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr


Behauptung
Gewerbegrundstücke werden einfach an den erstbesten Interessenten verkauft, egal, welche und wie viele Arbeitsplätze dieser schafft.

Fakt
Für Grundstücksgeschäfte zwischen 25.000 Euro und 75.000 Euro Wert ist der Hauptausschuss der Stadt zuständig. Für alle Grundstücke, die teurer als 75.000 Euro sind, ist der Stadtrat zuständig. Eine Auswahl zwischen Kaufinteressenten bleibt somit den städtischen Gremien vorbehalten – es beschäftigen sich also ganz automatisch viele verschiedene Personen mit dem Verkauf, und jedes Ratsmitglied kommt zu einer individuellen Entscheidung.

Quelle
Ordnung zur Regelung der Zuständigkeiten für die Ausschüsse und den Bürgermeister der Stadt Wetter (Ruhr)


Behauptung
Durch die Ansiedlung von neuem Gewerbe wird zu viel Grünfläche versiegelt, der Flächenverbrauch kann also nicht reduziert werden, wie es den Vorgaben des Landes entspricht.

Fakt
Der Flächenverbrauch in NRW soll auf fünf Hektar pro Tag begrenzt werden, das ist das Ziel des Landes.
Dieses Ziel ist allerdings jüngst zu einem Grundsatz herabgestuft worden, nicht zu einem juristisch verbindlichen Ziel. Die Herabstufung ist die Folge der Kritik durch Gemeinden und Wirtschaftsverbände. Wetter unterschreitet diesen ambitionierten Grundsatz bei weitem. Das Stadtgebiet von Wetter hat einen Anteil von 0,09 Prozent an der Fläche von NRW. Rechnet man das Ziel „fünf Hektar pro Tag in ganz NRW“ auf Wetter runter, ergibt sich eine Zahl von 45 m² pro Tag. Das jüngste auf der „grünen Wiese“ realisierte Gewerbegebiet, das Schöllinger Feld mit seinen 14 Hektar, wurde vor ca. 25 Jahren versiegelt. Rechnerisch beträgt die Versiegelung dadurch also 15 m² pro Tag, also nur ein Drittel der 45 m² pro Tag.

Quelle
Landesentwicklungsplan NRW 2016


Behauptung
Durch den Gewerbepark Schwelmer Straße geht ein Naherholungsgebiet verloren.

Fakt
Das geplante Gewerbegebiet grenzt unmittelbar an die Autobahn A1 an. Laut einer Verkehrszählung fahren dort rund 109.000 Kraftfahrzeugen täglich vorbei. Die Zahl stammt vom Landesbetrieb Straßen.NRW aus 2009, das ist die aktuellste Statistik, die vorliegt. Damit zählt die A1 zu den meistbefahrenen Autobahnen in ganz NRW. Dieses starke Verkehrsaufkommen dürfte kaum der Definition eines Naherholungsgebietes entsprechen. Die SPD setzt sich im Schulterschluss mit Herdecke und Hagen dafür ein, dass Naherholung in Wetter dort gefördert wird, wo sogar Touristen aufgrund der Schönheit unserer Landschaft zu uns kommen – etwa am Ruhrtal-Radweg und in den Ruhrauen bei Volmarstein.

Quelle
Landesbetrieb Straßen.NRW